Personalnot: Aussterben der Vereinsmeier
Kalbach. Es klingt paradox. Noch nie zuvor in der 60-jährigen Vereinsgeschichte war der Fußballclub Kalbach so erfolgreich wie in dieser Saison. Nach dem Aufstieg in die Landesliga hält der FCK derzeit den achten Tabellenplatz. Doch die Reihen im Vorstand sind so ausgedünnt, dass der Verein gezwungen sein könnte, "sich aufzulösen", sagt der Erste Vorsitzende Thomas Hartmann.

Seit Herbst findet sich niemand für den Posten des Zweiten Vorsitzenden. Ebenso fehlt eine Jugendleiterin und ein Nachfolger für den Ersten Schatzmeister. "Nichts ist undankbarer als das Ehrenamt", klagt Hartmann. Viel Arbeit - wenig Lob.

Dabei mangelt es dem Club mit rund 400 Erwachsenen keineswegs an Mitgliedern. Trotzdem hat Holger Trautmann notgedrungen eine Doppelfunktion als sportlicher Leiter und als Jugendleiter, "weil es keinen anderen gibt". Nebenbei trainiert er seit nunmehr zwölf Jahren eine Jugendmannschaft. Das langjährige Engagement zahlt sich aus: Drei seiner Schützlinge sind so gut, dass sie bereits in der Landesliga mitspielten. "Unsere Spieler sind handverlesen", betont Hartmann. Geld, um gute Fußballer einzukaufen, hätten sie sowieso nicht. "Wir sind wahrscheinlich der Landesligist mit dem kleinsten Etat."

Einen bezahlten Platzmeister kann sich der Verein nicht leisten. Das macht Norbert Probst - ehrenamtlich. Doch immer weniger Leute sind bereit, in ihrer Freizeit den Rasenplatz auszubessern, den Hartplatz abzustreuen und die Linien neu zu ziehen.

"Das ist ein bundesweites Problem", sagt Klaus-Jürgen Etzrodt, Vorsitzender des Stadtverbandes der 35 Frankfurter Vereinsringe. Die Mitgliederzahlen in den rund 1100 Vereinen seien nach wie vor hoch. 350 000 Frankfurter haben ein Mitgliedskärtchen. Das ist "über die Hälfte der Bevölkerung". Manche gründeten sogar neue Clubs. Immer weniger Menschen wollten aber eine Funktion darin übernehmen, sagt Etzrodt.

Das heißt nicht, dass die Frankfurter sich nicht mehr engagieren. "Die Menschen wollen helfen", sagt Barbara Jaeckel vom Referat für Bürgerengagement. Sie führt den Mangel an Zeit ins Feld. Einen Posten als Vorsitzender oder Schriftführer zu übernehmen sei eine lebenslange Verpflichtung. "Die Neigung nimmt ab, sich so lange zu binden", sagt Jaeckel. Die Bürger engagierten sich "projektbezogen".

(Artikel von George Grodensky und Franziska Schubert)

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