Kalbacher Kerb: Ohne Baum und Burschen
Kalbach. Durch das Festzelt im Kalbacher Stadtpark schallt Volksmusik. Die "Kinzigtaler Spitzbuben" spielen live. Die Stimmung am Samstagabend ist gut, aber viele Holzbänke sind um 20 Uhr noch leer. Und das, obwohl im Frankfurter Norden viele Plakate auf das Fest hingewiesen haben.



Wenig Besucher: Trübe Stimmung im Festzelt.
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Der 29-jährige Karol und seine 27-jährige Frau Marlena Drynda aus Kalbach sind mit ihrem kleinen Sohn gekommen. Im Vergleich zu den Vorjahren, erzählen sie, "sind weniger Menschen da". Seitdem die Riedberger ihre eigenen Feste haben, kämen weniger zur Kalbacher Kerb als zuvor. "Wir gehen aber auf den Riedberg zum Feiern", sagen sie. Das Sommerfest im Bonifatiuspark etwa habe ihnen gut gefallen.

Ob es das Volksfest im kommenden Jahr noch geben wird, steht in den Sternen

Als der Kalbacher Kleintierzüchterverein die Kerb personell und aus Altersgründen nicht mehr zu stemmen vermochte, hat der Fußballclub (FC) Kalbach 1948 diese Aufgabe übernommen. "Aber da ist ein großes Fragezeichen, ob wir die Kerb nächstes Jahr wieder veranstalten", sagt Thomas Hartmann, Erster Vorsitzender vom FC Kalbach.

Rund 8000 Euro hat der Verein für das Festzelt, die Livemusik, Toilettenwagen, Plakate und 15 Mülltonnen ausgegeben. Seit Jahresbeginn laufen die Vorbereitungen. Fast alle der Vereinsmitglieder helfen bei der Kerb. Auch Bewohner des Riedberges sind laut Hartmann darunter: "Die Riedberger beleben unseren Stadtteil." Der Riedberg sei gut in Kalbach integriert, sagt der Vorsitzende. Für seinen Sportverein sei die Kerb allerdings ein wirtschaftliches Risiko, schließlich müssten die 8000 Euro über den Verkauf von Getränken und Essen wieder eingenommen werden.

Die Jugend scheut die Disko, der Sportverein die künftige Finanzierung

Während er die Einnahmen zählt, ist sein Kommentar nur: "Es könnten mehr Besucher sein." Die Megastar-Diso in der alten Turnhalle im Grubweg sei am Freitag "schleppend angelaufen", sagt Hartmann: "Offenbar scheuen die jungen Leute den Eintritt." Die Kalbacher SPD-Vorsitzende Susanne Kassold-Moulden fragt sich, "ob sich die Kerb für den Verein noch lohnt. Es ist unheimlich leer hier."

Erstmals haben sich nun auch keine Kerbeburschen mehr gefunden, um den Kerbebaum aufzustellen. Den Kerbe-Umzug gibt es in Kalbach schon seit einigen Jahren nicht mehr. Der 50-jährige Thomas Hartmann bedauert es, "dass die Kalbacher die Tradition nicht mehr aufrecht erhalten können." Ein Stück Kultur gehe damit verloren. Immerhin kamen ein paar Kerbeburschen aus Bommersheim – allerdings nur zu Besuch.

(Artikel von Franziska Schubert)

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