Spielverlust und noch drei Punkte Abzug
Absage gegen FC Kalbach: Bezirksrechtsausschuss verurteilt 1. FC 04 Young Boys Oberursel Oberursel. Für den Fußball-Bezirksoberligisten 1. FC 04 Young Boys Oberursel hatte der Spielausfall am 27. Oktober gegen den FC Kalbach nun doch ein Nachspiel! Das an jenem Freitag ausgefallene Spiel der Bezirksoberliga Frankfurt/West gegen den damaligen Spitzenreiter FC Kalbach wird mit 3:0 Toren und 3 Zählern (Strafrahmen: 3 bis 24 Punkte) zu Gunsten Kalbachs gewertet. Zudem wurde Oberursel „wegen schuldhaften und vorsätzlichen Nichtantretens“ zu besagtem Spiel mit einem zusätzlichen Abzug von 3 Punkten und mit einer Geldstrafe von 65 Euro (Strafrahmen: 50 bis 1300 Euro) belegt. Dazu kommen noch weitere 50 Euro bezüglich von Kalbach gestellter Schadensersatzansprüche (zwei FCK-Spieler seien nach Ergehens der Absage telefonisch nicht mehr erreichbar gewesen und somit umsonst zur Stierstädter Heide gefahren) plus 191 Euro Verfahrenskosten.

Zu diesem umfänglichen Gesamturteil war der unter Vorsitz von Bezirksrechtswart Thorsten Bastian (Rockenberg) – als Beisitzer fungierten die Verbandsmitarbeiter Heinz Schwab und Heinz Vetter – tagende Bezirksrechtsausschuss (BRA) gekommen, der am Dienstagabend in der Oberurseler Gaststätte „Zum Return“ verhandelt hatte. Kernvorwurf seitens des Rechtsgremiums: der 1. FC 04 Young Boys hat an jenem Freitag nicht alle Mittel zur Durchführung der Partie ausgeschöpft.

„Bleibiskopf“ wäre bespielbar gewesen

Wie bereits in unserer Ausgabe vom Samstag, 28. Oktober, berichtet, war der Oberurseler Sportplatz an der Stierstädter Heide tags zuvor von der Stadt gesperrt worden, nachdem der Rasenplatz – auf Anfrage seitens des Oberurseler Vereins – noch einmal am Freitagvormittag abgezogen worden war und sich daraufhin als unbespielber erwiesen habe. Kurz vor 10 Uhr dann – also rund neun Stunden vor der geplanten Anstoßzeit des Spiels gegen den FC Kalbach – war Klaus Kessler, 1. Vorsitzender des 1. FC 04 Young Boys, seitens der Stadt von der Unbespielbarkeit der „Heide“ informiert worden – zugleich allerdings auch darüber, dass man die Sportanlage an der Bleibiskopfstraße nutzen könnte, wie es der Verein in der Vergangenheit schon des Öfteren getan hatte.

„Dorthin auszuweichen liegt aber nicht in unserer Entscheidungsgewalt“, betont Oberursels Sportlicher Leiter René Gehringer, „die Stadt Oberursel hat uns angehalten, den kompletten Spielbetrieb mit unseren Mannschaften auf den zwei Plätzen auf der Stierstädter Heide durchzuführen. Schließlich ist der Platz an der Bleibiskopfstraße primär den Frauen- und Mädchenteams des 1. FFV Oberursel vorbehalten.“ Und Kessler fügt fragend hinzu: „Wo gibt es eine Bestimmung, dass man als Verein kurzfristig auf einen Ausweichplatz ausweichen muss?“

Etwa eine Stunde nach Mitteilung seitens der Stadt, dass die „Heide“ unbespielbar ist, teilte Klaus Kessler dies BOL-Klassenleiter Harald Vorndran (Frankfurt) mit, der daraufhin die Begegnung gegen den FC Kalbach für Mittwoch, 8. November (19.30 Uhr), neu ansetzte. Allerdings, so ein weiterer Vorwurf seitens des BRA, habe Kessler es unterlassen, Klassenleiter Vorndran von der Tatsache in Kenntnis zu setzen, der Platz an der Bleibiskopfstraße sei in bespielfähigem Zustand. Auch sei zum zuständigen Platzbeauftragten Klaus Sperber (Oberursel) keinerlei Kontakt aufgenommen worden, wie von diesem bzw. auch dessen Ehefrau bestätigt wurde.

Vor allem bei Oberursels Gegner FC Kalbach hatte die Spielabsage Argwohn erregt. Als dann auch Bezirksrechtswart Thorsten Bastian vom Spielausfall erfahren hatte, setzte er sich daraufhin ins Auto, fuhr von Rockenberg nach Oberursel – und befand den „Heide-Rasen“ für bespielbar. Was aber letztendlich nicht Gegenstand der Verhandlung war, sondern die Nichtausschöpfung sämtlicher Mittel, um die Partie notfalls auf dem Ausweichplatz durchzuführen.

„Haben uns Entscheidung nicht leicht gemacht“

„Ich stand an jenem Freitag praktisch ganz alleine da, mehrere Vorstandsmitglieder waren an diesem Tag verreist und somit nicht greifbar – und dann war es mittlerweile Freitagmittag, so dass man schwerlich noch hätte jemanden erreichen können, den Platz an der Bleibiskopfstraße herzurichten“, wie Klaus Kessler betont, der versichert, „dass wir uns die Entscheidung gewiss nicht leicht gemacht haben, dass es zugleich aber auch nicht zutrifft, wir hätten angeblich gar nicht spielen wollen und dass das Abziehen des Platzes nur ein Trick von uns gewesen war. Wer mich kennt, der weiß, dass ich derlei Tricksereien grundsätzlich ablehne.“ Vorwurf von Kalbachs Spielausschuss-Boss Norbert Probst: „Als Ex-Landesligist muss ich das auf die Reihe kriegen – selbst an einem Freitagmittag – binnen acht oder neun Stunden einen Platz herzurichten!“

„Das eine“, so Kessler weiter, „ist die Satzung, das andere ist das gelebte Vereinsleben, die Praxis, in der sich der ehrenamtliche Vereinsmitarbeiter befindet, dem man alles zumutet und ihn bisweilen vom grünen Tisch aus beurteilt.“ Daher habe er „nach bestem Wissen und Gewissen“ dann an jenem Freitag die Lage abgewogen, dass eine Durchführung des Spiels, dessen Verlegung an die Bleibiskopfstraße „unserem Verein letztendlich auch einen wirtschaftlichen Schaden beschert hätte“, nicht möglich gewesen sei.

Worte, die bei FC Kalbachs Sportlichem Leiter Klaus Fischer auf Unverständnis stoßen: „Wir brauchen keine neun Stunden, um einen Platz bespielbar herzurichten. Hätten wir ein ähnliches Platzproblem gehabt, hätten wir für die Zuschauer ein Schild mit der Verlegung des Spiels aufgestellt, und binnen zwei, drei Stunden wäre der Ausweichplatz bespielbar hergerichtet! Zumal Oberursel ja in besagtem Fall sogar noch einen möglichen Ausweichplatz rechtzeitig benannt und angeboten bekam.“ Das wollte Fischers Oberurseler Amts- (und Arbeits)kollege René Gehringer nicht unkommentiert lassen. Seine „Spitze“: „Wir wären froh, wären wir ähnlich gut durchstrukturiert wie der FC Kalbach!“

„Nicht auf Punkte am grünen Tisch angewiesen“

Überhaupt „FC Kalbach“: für Oberursels derzeit verletzten Spielertrainer Zoran Puljic ist der FCK seit „gestern“ ein rotes Tuch: „Es ist schon traurig, dass der FC Kalbach, der die Punkte anscheinend äußerst dringend nötig hat, zu solchen Mitteln greifen muss. Ein Armutszeugnis für diesen Verein! Denn dass der FCK das Ganze angezettelt hat, liegt doch auf der Hand.“ Was wiederum Klaus Fischer, Kalbachs Fußballboss, auf den Plan ruft: „Natürlich waren wir sehr verärgert über die Tatsache, dass die Stierstädter Heide angeblich unbespielbar gewesen sei, aber angeleiert haben wir gar nichts.“

Die Einlassung Klaus Kesslers, dass ja nicht nur Oberursel, sondern auch der FC Kalbach mehrere schwer wiegende Ausfälle an jenem Freitag gehabt hätte, amüsiert und verärgert Klaus Fischer in gleichem Maße: „Mit Ausnahme von Urlauber Thiemo Ruthenberg und dem wegen eines Bandscheibenvorfalls auf Eis liegenden Vincenzo Piana wären wir komplett nach Oberursel gekommen – was wir gerne getan hätten!“ Der FC Kalbach sei „gewiss nicht darauf angewiesen, die Punkte am grünen Tisch zu holen“. Fischer abschließend: „Wenn ich schon weiß, dass sich mein Sportplatz in einem schlechten und kritischen Zustand befindet, dann lasse ich ihn garantiert nicht noch am Morgen des betreffenden Spieltages abziehen!“

Ohne sich verbindlich festlegen lassen zu wollen, deutete derweil Gehringer an, es sei „nicht unmöglich, dass wir Rechtsmittel einlegen werden – weil wir uns mit diesem Urteil einfach nicht anfreunden können, nachdem unsere Ausführungen, die wir am Dienstagabend tätigten, nicht die gewünschte Würdigung erfahren haben. Wir sind uns keiner Schuld bewusst!“ Im Widerspruchsfall ändere sich zwar die Sachlage nicht – „aber vor dem Verbandsgericht ja möglicherweise deren Einschätzung“.

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Im Fall des Einspruchs von Bezirksoberligist FV Bad Vilbel II gegen die wegen des Einsatzes eines nicht spielberechtigten Akteurs (Yusuf Cosar) verhängte 0:3-Wertung des am 5. August ursprünglich mit 2:0 gewonnenen Saisonauftaktspiels beim SC Dortelweil hat das Verbandsgericht das Urteil des BRA voll umfänglich bestätigt und damit den Bad Vilbeler Widerspruch abgeschmettert. Somit erhält der SC Dortelweil in der Tat die Punkte aus dem damals verlorenen Spiel, während der FV Bad Vilbel II obendrein noch mit einem zusätzlichen Drei-Punkte-Abzug belegt wird, der die Vilbeler in der Tabelle auf Rang 8 zurückwirft.

Da wären’s sogar sechs Taunus-Clubs im „Keller“

Vorbehaltlich eines möglichen Widerspruchs von Seiten des 1. FC 04 Young Boys Oberursel gegen das (noch nicht rechtskräftige) BRA-Urteil vom Dienstagabend, für das die Oberurseler nach Zugang nun noch eine siebentägige Einspruchsfrist haben, sähe die „aktualisierte Tabelle“ nach Einarbeitung beider Verhandlungsergebnisse – so denn auch der „Fall Oberursel“ bestätigt würde – folgendermaßen aus:

  1. FC Kalbach..................14 38:12 32
  2. SV Nd.-Wöllstadt.........14 40:21 31
  3. Spvgg. Griesheim........14 39:17 28
  4. Klein-Karben II............14 36:22 25
  5. Usinger TSG.................14 36:32 24
  6. SC Dortelweil...............14 31:24 23
  7. Vikt. Preußen...............14 20:20 20
  8. FV Bad Vilbel II............14 25:18 18
  9. Umut Cityspor.............14 20:25 16
10. SV Gronau...................14 19:27 15
11. FC YB Oberursel..........13 24:21 14
12. SG Anspach.................14 39:45 14
13. FC-TSG Königstein.......14 26:31 13
14. SGK Bad Homburg.......14 22:28 13
15. FC Weißkirchen...........13 19:54   8
16. FSV Steinbach.............14 15:52   8

(Artikel von Wolfgang Bardong)

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