Der Streit bei der SGO eskaliert
Ober-Erlenbach. Uwe Loos ist von seinem Amt als Leiter der Fußballjugend der SG Ober-Erlenbach zurückgetreten. Er zog damit die Konsequenzen aus einem Streit mit der Vereinsführung, der am Donnerstagabend bei der Jahreshauptversammlung eskaliert ist. «Ich bin total gefrustet», sagte Loos gestern der TZ und kündigte als erste Folge seines Rücktritts an, dass ein für den Sommer geplantes Fußball-Camp nicht werde stattfinden können. «Der Verein zeigt kein Interesse an der Jugend», lautet sein Vorwurf, den er aber nicht nur am Geld festgemacht haben will. Wie berichtet, kursiert unter anderem der Vorwurf, dass städtische Zuschüsse für die Jugendarbeit für andere Zwecke – speziell für die Landesliga-Fußballer – verwendet worden sind.

Vorsitzender Klaus Koltzenburg weist diese Vorwürfe zurück. «Ich habe in der Versammlung alle Zahlen offen gelegt», beteuert er. Nach diesen Zahlen habe die Vereinsführung sogar sehr viel mehr Geld an die Jugend weitergegeben als «nur» die von der Stadt erhaltenen Jugend- und Übungsleiterzuschüsse.

Doch Uwe Loos vermisst auch Unterstützung in anderer Form. «Wir fühlen uns als notwendiges Übel», klagt er. «Mir fehlt die Motivation», ärgert sich Loos, der bis Saisonende aber zumindest noch seine Betreuertätigkeit für die D-Jugend aufrechterhalten wird: «Die Kinder will ich nicht im Stich lassen – aber ich kann nicht mehr mit diesem Vorstand zusammenarbeiten.»

Verärgert ist Loos auch, dass ein Antrag der Fußballjugend auf eine eigene Kasse beziehungsweise auf Ausgliederung als eigenständige Abteilung auf Grund von Formfehlern nicht zur Abstimmung kam. «Der Antrag stand nicht auf der Tagesordnung», begründet Klotzenburg. «Wir haben den Antrag fristgerecht eingereicht», behauptet Loos.

«Es steht inzwischen eine große Mauer zwischen den Streithähnen», analysiert Hans-Joachim Mohr die Situation. Auf Mohr, einem echten «Urgestein» der SGO, ruhen jetzt sehr viele Hoffnungen, was die Rückkehr zu einem harmonischen Vereinsleben betrifft. Mohr wurde nämlich zum neuen Vorsitzenden des Ehrenrats gewählt. Dieser Rat, dem mit Werner Feucht und Walter Schubert noch zwei weitere langjährige SGO-Größen angehören, soll in den nächsten Wochen vermittelnd wirken. «Ich werde beide Seiten in getrennten Gesprächen hören und dann einen Kompromiss suchen», sagt Mohr und kündigt bereits jetzt an: «Alle werden ein bisschen zurückschrauben müssen. Es besteht ein Zwang zur Einigung!»

Doch selbst wenn es mittelfristig zu einer Einigung kommt: Mohr befürchtet, dass einige Wunden bleiben werden. «Es wurden einfach zu viele Beleidigungen ausgesprochen – auch, wenn viele dann später wieder zurückgenommen wurden . . . Die Kiste ist total verfahren.»

Mohr ist zwar bemüht, nicht öffentlich Partei zu ergreifen. Als «von der Logik her einen Witz» bezeichnet er es allerdings, wie der Vorstand während der Versammlung entlastet worden sein will. So habe es in einem ersten Wahlgang nämlich keine Mehrheit gegeben, woraufhin in einem zweiten Wahlgang auch die vier Vorstandsmitglieder mit abstimmten – und so für eine knappe Mehrheit von 26:24 und damit für die Entlastung sorgten. «Laut Satzung ist der Vorstand bei der Entlastung nicht stimmberechtigt», tadelt Mohr.

Während Mohr erste Schlichtungsgespräche bereits nächste Woche führen will, wird es nach Auskunft von Uwe Loos in der übernächsten Woche einen Elternabend geben: Jugendtrainer und -betreuer wollen dann mitteilen, wie es mit der Fußballjugend weitergeht.(os)

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